Freundlich, klug, talentiert… und ein bisschen verrückt: unsere Lucy

Forever 25… das könnte ihr Motto sein, denn sie ist einerseits jugendlich-sorglos und andererseits reif und verantwortungsvoll. Die meisten Menschen, die wir gefragt haben, wie alt sie ist, haben zwischen 20 und 30 geschätzt. Wir schätzen sie wegen der Freude, die sie ausstrahlt, und der Kompetenz, die sie mitbringt.
Der Charakter eines Menschen umfasst aber viel mehr: Lucy hat Humor, Talent, Geduld, Einfühlungsvermögen, Kreativität und… eigentlich alles, was eine gute Kollegin braucht.

Los ging’s für sie in Frankfurt, wo sie geboren wurde. Dort hat sie allerdings nur 1 Jahr verbracht, ein paar Umwege über Offenburg und Bonn gedreht und ist dann pünktlich zur Einschulung in Hamburg gelandet. Die frühe Kindheit prägt den Menschen ungemein, aber auch nach dem ersten Geburtstag kann man sich noch sehr verändern 😂. Wir sind froh, denn so babbelt sie kein Hessisch und kommt auch ohne den Äbbelwoi klar, denn wir machen die Äpfel lieber zu Saft und Schorle. 😊

In die Grundschule kam Lucy dann in der schönen Hansestadt an der Alster. Schule und Lernen war ihr Ding, und das merkt man auch bei ihrer Arbeit im Saftladen. Akribisch erarbeitet sie sich neue Fähigkeiten, und wenn’s nicht weitergeht, fragt sie Kollegen oder nimmt sich ein Buch zur Hand. Im Zweifel weiß Dr. Google Bescheid.
Nach dem Abi am humanistischen Wilhelm-Gymnasium ging’s zur Uni, Soziologie. Für die Diplomarbeit über die italienische Mafia und ihren Einfluss auf die deutsche Wirtschaft bekam sie eine 1 und hätte noch ein Sternchen und ein Bienchen bekommen, aber die gibt’s nur in der Grundschule.

Wir haben gefragt, was denn Das Geld hängt an den Bäumen von der Mafia lernen kann, aber von ihr kam nur ein zweideutiges Lächeln: „Frag mal Samuel, der ist Mafiaexperte.“

In ihrer Familie stand schon immer das geschriebene Wort ganz oben. Der Vater war Chefredakteur bei der Welt am Sonntag, der Bruder macht Pressearbeit für den Senat in Hamburg. Schreiben ist ihr liebster Kanal, das merkt man zu jeder Zeit.

Wie läuft’s also im Saftladen? Die Schwerhörigkeit ist ein eher kleines Problem. Wenn man erstmal weiß, dass man Lucy anschauen muss und große „Arbeitsaufträge“ eher schriftlich übergibt (das ist auch unter Menschen ohne Schwerhörigkeit von Vorteil), kann man wunderbar mit ihr zusammenarbeiten.
Die kaum zu bändigende Motivation ist eine Herausforderung. Lucy hat so viele Ideen, dass man sie manchmal bremsen muss: „Eines nach dem anderen.“ Das ist eine ziemlich angenehme Unart von ihr, doch in unserem Saftladen läuft vieles langsamer, über Umwege, da muss man sich manchmal gedulden und seine Einfälle lieber aufmalen, so dass es alle verstehen.
Auch ihre Interessen passen gut zum Saftladen. Sie achtet auf gesunde Ernährung, isst vegan, mag Natur, Äpfel, Bäume und Tiere, v. a. Hunde, deshalb ist Lotti, die kleine Terrier-Mix-Hündin,  ihre ständige Begleiterin. Sie ist sehr pflegeleicht und bellt nur, wenn jemand ihr Spielzeug wegnimmt.
Die Kommunikation verläuft meist konkludent, Sprechen und Hören spielen bei Tieren keine große Rolle, für Lucy ein Vorteil.
Mit ihrem Handicap geht Lucy offen um. Wenn sie sich vorstellt, sagt Frau Geist: „Mein Gehör hat seinen Geist aufgegeben, ich bin an Taubheit grenzend schwerhörig.“ Und ihr Gegenüber lächelt über das Wortspiel und weiß, woran er ist: Die Frau nimmt das Leben mit Humor!

Denen, die damit nicht klarkommen, ist eigentlich nicht zu helfen, aber was, wenn es der potenzielle Arbeitgeber ist?
Lucy hat jahrelang nach einem Job gesucht, aber trotz ihrer Qualifikationen kam immer wieder: „Sie müssen ja am Teammeeting teilnehmen.“ „Unsere Kunden wollen telefonischen Kontakt.“…Arbeitsteilung sieht anders aus, aber wer nicht 08/15 kompatibel ist, der wird schnell aussortiert.
Über das Fernsehen hat Lucy von unserem Saftladen erfahren und war begeistert: „Es gibt wirklich Unternehmen, bei denen jeder so sein kann, wie er ist? Wo man gefördert wird und auch mit Handicap Teil des Teams sein kann? Mega!“
„Aber sowas von!“, haben wir nach dem Bewerbungsgespräch gesagt, denn von Rainer wussten wir, dass „gehörlos“ nicht „bekloppt“ bedeutet und nach der berühmten ersten Millisekunde war Lucy uns sympathisch, zumindest nicht bekloppter als der Rest von uns.
Am Anfang war Lucy „nur“ für Texte in der Öffentlichkeitsarbeit zuständig, mittlerweile kann man ihren Job am besten als Teamassistenz beschreiben, denn sie ist „Fotoqueen“ und hat Ordnung in unseren riesigen Fotoberg gebracht. Sie hilft Andreas bei Auslieferungslisten und Rechnungen, für Till nimmt sie Kontakt mit Partnern und Freunden auf, mit Alex prüft sie manchmal Rechnungen („Vier-Augen-Prinzip“)…und häufig kommt ein spontaner Auftrag von Jan, wenn er sich mal wieder etwas Innovatives, krass Kreatives ausgedacht hat.

Manchmal wird es ihr zu bunt, wenn sie jeder mit Aufgaben nervt und ihr Tisch sowieso schon voll ist. Sie darf es und sagt dann gerne mal freundlich „Nein, geh mir nicht auf den Keks.“…nach 10 Minuten kommt dann aber die Rückmeldung: „Klar, kann ich machen, ist ja gar nicht so viel.“
Stress gibt’s immer irgendwo, aber man hat ja seine Freizeit und die verbringt Lucy gerne in der Natur, am Strand, im Wald, mit Schwimmen, Fahrradfahren oder Lesen. Manchmal chillt sie auch einfach mit Lotti auf dem Arm.
Lucy, wir sind mega happy, dass du bei uns bist, und wir wollen, dass du lange Teil unserer Belegschaft bleibst.
Wenn wir dann mal umziehen, bekommst du auch ein kleineres Büro, da ist die Kommunikation einfacher und man kann mal die Tür schließen, wenn’s zu laut wird.